Wie hilft man in Regionen, in denen Hilfe oft gar nicht gewünscht oder politisch schwierig ist? Und was bedeutet es, als Hilfsorganisation weltweit tätig zu sein – nicht nur organisatorisch, sondern auch im eigenen Selbstverständnis?
Antworten auf diese Fragen gab Dr. Josef D. Blotz, Großhospitalier des Souveränen Malteserordens, bei seinem Besuch im Malteser Campus St. Maximilian Kolbe in Hamburg-Wilhelmsburg. Sein Vortrag machte deutlich: Der Malteserorden ist weit mehr als eine klassische Hilfsorganisation.
Ein Abend mit vielen Perspektiven
Zum Auftakt begrüßten Peter Deselaers, Vorsitzender der Delegation Nord, sowie Susanne Behem-Loeffler, Leitung des Campus Wilhelmsburg und des Integrationsdiensts, die Gäste. Margarete von Croÿ stellte anschließend die vielfältigen Veranstaltungen am Campus vor, die Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft zusammenbringen und Begegnung ermöglichen.
Eine Andacht, gestaltet von Thomas Kleibrink, Referent und Diakon für Malteser Pastoral und begleitet von Orgelmusik, setzte einen ruhigen Akzent. Als besonderes Zeichen überreichte er dem Campus einen Nachdruck der „Muttergottes vom Berg Philermos“, einer Marienikone aus dem byzantinischen Raum um das Jahr 1200, die eng mit der Geschichte des Ordens verbunden ist.
Die Rolle des Großhospitaliers
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Dr. Josef D. Blotz. Als Großhospitalier ist er Teil der Ordensregierung und übernimmt auf internationaler Ebene Verantwortung für die Bereiche Soziales, Gesundheit und humanitäre Zusammenarbeit. Seine Aufgabe verbindet strategische Verantwortung mit einem klaren Anspruch: Hilfe darf nicht abstrakt bleiben, sondern muss konkret bei den Menschen ankommen. Dabei betonte er: „Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass wir uns alle als Hospitaliers begreifen und nicht zu Funktionären der Nächstenliebe werden.“
Hilfe, wo andere nicht hinkommen
Besonders eindrücklich waren die Einblicke in aktuelle Einsatzgebiete. Blotz machte deutlich, dass der Malteserorden aufgrund seiner langen Geschichte und seiner Werte weltweit eine außergewöhnliche Reputation genießt.
Diese ermöglicht es häufig, auch dort tätig zu werden, wo andere Organisationen oder staatliche Akteure an Grenzen stoßen. Ein aktuelles Beispiel ist der Einsatz im Gazastreifen: Dort haben die Malteser sogenannte „Hospitainer“, also mobile medizinische Einheiten in Containern, aufgebaut, um die Bevölkerung zumindest mit einer grundlegenden medizinischen Versorgung zu erreichen. Ein kleiner Beitrag in einer großen Krise und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Vertrauen Zugang schaffen kann.
Global vernetzt, lokal wirksam
Dass der Malteserorden heute ein globaler Akteur ist, zeigen die Zahlen: Aktivitäten in rund 130 Ländern, etwa 160.000 Helferinnen und Helfer sowie rund 1.500 Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialbereich weltweit. Dabei gehe es nicht nur um schnelle Hilfe, sondern um nachhaltige Strukturen, erklärte Blotz: „Wir dürfen nichts anfangen, was wir nach wenigen Wochen wieder einstellen müssen.“
Wie das konkret aussehen kann, verdeutlichte er am Beispiel des Holy Family Hospital in Bethlehem. Dort werden jedes Jahr rund 4.000 Kinder geboren, insgesamt über 112.000 seit 1990. Eine spezialisierte Neugeborenen-Intensivstation ermöglicht sogar die Versorgung von Frühgeborenen.
Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Hilfsorganisationen liegt für Blotz in der Verbindung von Hilfe und Haltung. „Wir sind keine weitere NGO“, stellte er klar. Der Malteserorden verstehe Hilfe ganzheitlich, als Unterstützung für Körper und Seele. Gleichzeitig gehe es darum, Verantwortung zu teilen und Menschen einzubinden: „Wir brauchen Menschen, die helfen, zu helfen.“
Überraschende Einblicke
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten bot der Vortrag auch einige überraschende Einblicke: So wurde der heutige Papst wenige Wochen vor seiner Wahl zum Malteser Ritter ernannt. Auch ungewöhnliche Wege gehören zur Geschichte des Ordens: Die Malteserflagge war bereits im All – mitgeführt bei einer Raumfahrtmission, aus der sogar eine eigene Briefmarke entstand.
Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Arbeit des Ordens ist und wie sehr sie von gelebten Werten getragen wird. Und er ließ eine Botschaft besonders hängen: Die Arbeit der Malteser lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, vor Ort und weltweit.